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Das System – Unsere Art zu leben
von Falk Richter

Nach dem großen Erfolg der fünfteiligen Shakespeare-Soap „SPQR/reloaded“ 2004, gibt es auch in diesem Jahr wieder eine mehrteilige Eigenproduktion im Rahmen von Grenzenlos Kultur:
Falk Richters „Das System – Unsere Art zu Leben“
An fünf aufeinanderfolgenden Theaterabenden wird die gegenwärtige Gesellschaft in der Perspektive von Medien, Wirtschaft, Gewalt- und Kriegszuständen beschrieben. Doku-Soaps, Talkformate und TV Movies, in denen die Gefährlichkeit von Gefrierbrand, Rasurbrand und Weltenbrand mit der gleichen Intensität behandelt werden. Medial vermittelte Wirklichkeiten, Kriege als Medienereignisse und globalisierungsbegeisterte Manager, die im Eissturm des Neoliberalismus erstarren, werden in ein grelles, groteskes und poetisches Licht gerückt.
Innerhalb eines Systems propagierter aber brüchiger Authentizität spiegelt sich diese Welt - vielleicht doch nicht die beste aller Welten?

Das System 1 / Electronic City

Ein High-Tech-Märchen aus den vernetzten Zeiten einer globalisierten Welt.
Willkommen! Wir begrüßen Sie im Leben von Tom und Joy. Checken Sie ein.
Er: ein smarter Global Player im wahrsten Sinne des Wortes, ständig unterwegs zwischen Flugzeug, Meeting und Hotelzimmer. Er hat sich in einem Flur verirrt und weiß nicht weiter. Alles sieht gleich aus, ununterscheidbar.

Sie: eine vielversprechende Standbykraft in einer von Managern frequentierten Prêt-à-Manger-Kette. Der Scanner ihrer Kasse verweigert den Dienst. In ihrer Verzweiflung ruft sie Tom an. Nur der Anrufbeantworter. Eine Liebe im Zeitalter von Computerviren, Funklöchern und technischem Versagen. Ihr Leben eine Doku-Soap. Werden Tom und Joy zueinanderfinden und die alltäglichen Fährnisse ihrer komplexen Lebensumstände meistern? Beide Daumen hoch. Unser Team begrüßt Sie ganz herzlich an Bord.
Check in!
Electronic City!

Das System 2 / Unter Eis

Der Unternehmensberater Paul Niemand steht am Gate. Er wird aufgerufen aber er geht nicht los. Er ist nicht effizient. Wer nicht effizient ist, wird gesehen, wird wahrgenommen. Während er frierend verharrt, zieht sein Leben an ihm vorbei. Er hätte ein anderer Mensch sein können. Derweil ihn seine Angstzustände erstarren lassen, sitzt die Konkurrenz in den Startlöchern und wartet darauf, seinen Posten zu übernehmen. Ein poetisch groteskes Stück über den Zustand des Arbeitsmenschen in den Zeiten des globalisierten Kapitalismus und dessen schockgefrosteten Sehnsüchten unter Eis.

Das System 3 / 7 Sekunden – Krieg für unsere Art zu leben

Ein Crash, ein Aufschlag, eine Explosion: laut, sehr laut.
10 Figuren erfinden ein Szenario über den letzten Feindflug eines amerikanischen Bombers. Der Pilot Brad stürzt ab, während der letzten sieben Sekunden vor dem Aufschlag zieht sein Leben an ihm vorbei. Die verklärte Idylle seiner Heimat, die Terror-Hysterie, religiös geprägter Patriotismus, sinnliche Militärbegeisterung aber auch leise durchklingende Zweifel, vereinigen sich zu einem filmisch montierten Action-Gedankenstrom. Ein Abbild der medialen Lebenswirklichkeit, die via Action- und Kriegs-Kino, Doku-Soaps und Renenactment, Talkshows und Infotainmentnachrichten verdeutlichen, warum der Krieg für unserer Art zu Leben richtig ist. Die Grausamkeit des Krieges bleibt zurück hinter den undurchdringbaren Medienwirklichkeiten, die sich in der Eigendynamik der von ihnen geschaffenen Bildwelten schließlich verselbständigen.

Das System 4 / Deutlich weniger Tote

Ein Gespräch. Ein Interview. Ein Verhör. Ein Fernsehstudio. Ein Hochsicherheitstrakt. Einer fragt einen Anderen. Genug Wasser? Genug Öl? Weniger brennende Autos? Und auch deutlich weniger Tote? Zwischen triefender Talkshowbetroffenheit und sinistrer 1984-Verhörtechnik offenbart Falk Richters Dialog mediale Mechanismen im Umgang mit Menschen in Angst vor Krieg und Terrorismus.

Das System 5 / Hotel Palestine

Hotel Palestine liegt in irgendeinem Krisengebiet. Während sich die Lage draußen langsam dem kritischen Punkt nähert, liefern sich drinnen Journalisten unterschiedlicher politischer Couleur und Pressesprecher der amerikanischen Regierung erbitterte Wortgefechte. Es geht um moralische Integrität, die Unabhängigkeit der Presse und die vielbeschworene Wahrheit, die für den Nachrichtenkonsumenten maßgeblich meinungsbildend sein soll.

In erbitterten Rededuellen und rhetorischen Grabenkämpfen eines Dauerbriefings diskutieren sich die Kombattanten von der Berichterstattung zur Meinungsmache. Nach und nach weichen die vermeintlich so gegensätzlichen Positionen auf, trotz aller Differenzen leben die Medienkrieger doch in derselben Welt. Ein Stück über die Mechanismen der freien Meinungswirtschaft der zivilisierten westlichen Welt, die glücklicherweise von der Bananenrepublik weit entfernt ist.


Besetzung

Eine [V] – Produktion

Falk Richter DAS SYSTEM 1 / Electronic City

Tom Felix Pielmeier
Joy Alice Krimmel
1 Svenja Assmann
2 Petra Steck
3 Patrick Twinem
4 Sybille Schmid
5 Mark Himmelmann
6 Ariane Klüpfel
7 Chris Hirschmann
8 Florian Winkler
Aufführungsrechte S. Fischer Verlag Frankfurt/M.

Falk Richter DAS SYSTEM 2 / Unter Eis

Paul Niemand Detlev Nyga
Karl Sonnenschein Harald Preis
Aurelius Glasenapp Mark Himmelmann
Kind Felix Pielmeier
Musik/Sounds Ralph Lewerenz
Aufführungsrechte S. Fischer Verlag Frankfurt/M.

Falk Richter DAS SYSTEM 3 / Sieben Sekunden

1 Svenja Assmann
2 Petra Steck
3 Patrick Twinem
4 Sybille Schmid
5 Felix Pielmeier
6 Ariane Klüpfel
7 Chris Hirschmann
8 Dietmar Bertram
9 Florian Winkler
Musik Ralph Lewerenz
Aufführungsrechte S. Fischer Verlag Frankfurt/M.

Falk Richter DAS SYSTEM 4 / Deutlich weniger Tote

1/2 Patrick Braun
2/1 Farhang Kassraei
Kamera Ralph Lewerenz
Aufführungsrechte S. Fischer Verlag Frankfurt/M.

Falk Richter DAS SYSTEM 5 / Hotel Palestine

Andy Harald Preis
Bob Patrick Twinem
Criss Ariane Klüpfel
Jodie Petra Steck
Lynn Sybille Schmid
Ron Detlev Nyga
Aufführungsrechte S. Fischer Verlag Frankfurt/M.


Das System 1 - 5

Bühne und Kostüme Friederike Sommerfeld
Regieassistenz Silke Becker
Gestaltung/Comix Prisca Ludwig
Produktion Andreas Meder
Regie Christoph Maasch

Unser besonderer Dank gilt dem Dramatischen Kombinat Berlin und Michael Walter für die Unterstützung dieses Projekts. Herzlichen Dank auch an die Mainzer Kammerspiele für die Unterstützung.

Das System ist ein Projekt im Rahmen des Theaterfestivals Grenzenlos Kultur vol. 7

 




 

 


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